München – Genua

1. November 2007 von sommerfrische

Als Einstimmung auf eine Reise nach Süden wird einem gelegentlich ein bekannter Dichterfürst zur Lektüre empfohlen.
Manch anderes ist ebenfalls aufschlussreich.

Heinrich Heine, 1828 (Zitate nach den Reisebildern):

– München, nicht ohne Berlin zu würdigen: … daß man aber die ganze Stadt ein neues Athen nennt, ist, unter uns gesagt, etwas ridikül … „… wo ist der neue Alcibiades selbst?“ – „Aufrichtig gestanden“, antwortete ich, „diese Stelle ist noch nicht besetzt, und wir haben erst den Hund.“
Nach einer Lesart antichambrierte H. in München wegen einer Professur.

– Tirol, Andreas Hofer etc.: Die Tiroler sind schön, heiter, brav, und von unergründlicher Geistesbeschränktheit. Sie sind eine gesunde Menschenrasse …

– Trient, Beim Hören einiger Straßenmusiker: … das ist der esoterische Sinn der Opera buffa. Die exoterische (habsburger) Schildwache, in deren Gegenwart sie gesungen und dargestellt wird, ahnt nimmermehr die Bedeutung dieser heiteren Liebesgeschichten, Liebesnöten und Liebesneckereien, worunter der Italiener seine tödlichsten Befreiungsgedanken verbirgt …
(Eine Generation später war es dann soweit.)
Anschließend flirtete er mit der Harfinistin.

– Verona, die uralte, weltberühmte Stadt, gelegen auf beiden Seiten der Etsch, war immer gleichsam die erste Station … Auf dem Platze Bra spaziert, sobald es dunkel wird, die schöne Welt von Verona, oder sitzt dort auf kleinen Stühlchen vor den Kaffeebuden, und schlürft Sorbett und Abendkühle und Musik. Da läßt sich gut sitzen …

– Mailand: … die Engländer … laufen überall umher, um alles zu sehen, und man kann sich keinen italienischen Zitronenbaum mehr denken, ohne eine Engländerin, die daran riecht, oder ein Schock Engländer, die, mit ihren Guide in der Hand, darin umherrennen, und nachsehen, ob alles noch vorhanden …

– Genua: Diese Stadt ist alt ohne Altertümlichkeit, eng ohne Traulichkeit, und häßlich über alle Maßen … ; dagegen Richard Wagner, der Genua als „unbeschreiblich schön, prächtig, charakteristisch“ beschreibt.
Meinungen über diese Stadt, die verschiedener nicht sein könnten.

Heine reiste dann weiter, in die Bäder von Lucca, in romantischen Verstrickungen …
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Genua, die stachlige Auster, verbirgt seine Schätze im Innern.

Und Schätze, die gibt es hier weiß Gott! Nicht umsonst waren die Dogen, die Doria und spätere, getreue Verbündete der spanisch-österreichischen Habsburger, die hier die strategische Verbindung ihrer Kernlande hatten.
Von hier aus marschierte man zur Besetzung der spanischen Niederlande, als man dort protestantische Umtriebe ausmachte; anstatt die nordafrikanische Küste unter Kontrolle zu bringen, von wo Seeräuber von Gnaden des osmanischen Sultans die europäischen Südküsten ernsthaft belästigten. Philipp zwo und die Reinhaltung der Glaubens, Antiterrorismus und präventive Verteidigung in fernen Ländern.
Fugger und Genueser finanzierten die Kaiser und ihre Unternehmungen, Augsburg und Genua blühten – il Banco di San Giorgio hat bis heute überlebt.

Genua macht es seinen Besuchern nicht leicht … Immerhin wurde 2004 für Genua als europäische Kulturhauptstadt und auch eine europäische Gipfel-Veranstaltung viel Geld ausgegeben für die Renovierung von Stadtbild, Fassaden und einiger der wichtigsten Palazzi.

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