Olivo und Maria

20. Januar 2008 von sommerfrische

in den frühen 70ger Jahren, die ersten Deutschen kauften in verlassenen Weilern im ligurischen Hinterland verfallende Häuser und begannen, sie wieder bewohnbar zu machen.
Poggio B. war ein kleiner Weiler, schon hinter der ersten Hügellinie, vielleicht fünfzig aneinander gebaute Häuser, in denen noch 30 Menschen lebten, nicht alle mehr ganz komplett. Man hatte Haus und Garten und Oliven und Holz und Kleintiere und Wein, alles, nur (fast) kein Geld. Manchmal kam der Fisch-Händler herauf, mit dem Fahrrad, auf dem Gepäckträger ein paar Kilo Sardinen, die den allgemeinen Speiseplan bereicherten.
Tatkräftige Hilfe bot Remo, Mini-Bauunternehmer im Nachbartal und Instanz für alles. Er war weit über dem Rentenalter, jeden Tag mit seinem Esel unterwegs, unermüdlich aber ohne stress tätig. Er verachtete alle, die sich zur Ruhe gesetzt hatten, war stolz auf seinen Bauern-Wein (wenn der auch eine gewisse Tendenz zum Essig zeigte), verwahrte die Schlüssel für die Deutschen und bezahlte deren Stromrechnungen und Grundsteuern.
Olivo war ein einfacher Olivenbauer. Er lebte mit Maria in Poggio B., ein Sohn war an die Küste gegangen und betrieb dort eine Pizzeria. Maria war die Grande Dame der Fraktion, mit immer gepflegtem weißem Haar. Sie war verantwortlich für das (einzige) Telefon, das die Gemeinde zum allgemeinen Nutzen in ihrem Haus installiert hatte, und hatte auch einen Fernseher, der immer lief und niemanden interessierte, war dazu Verteilungsstelle für die Post. Außen an dem Haus war ein Ofen, der zum Brotbacken diente. Ein Fest war es, wenn Maria dort eine torta pasqualina herstellte, Brotteig und Artischocken, Mangold, Eier, Öl … Jeden Tag zog Olivo mit seinem Esel in die Hügel, brachte Gemüse und Holz, wenn er auch anfing, über allerlei Zipperlein zu klagen. Es stellte sich später heraus, daß er zu Kriegszeiten in die Berge gegangen war – als Partisan. Das hinderte ihn nicht, mit der nächsten Generation gut Freund zu werden. (Ihr wärt auch Partisan geworden, erkärte er …)
Irgendwann verbesserte die Gemeinde die Straße, einige Ladungen Beton befestigten den Weg. Dort konnte man zu Weihnachten Tisch und Stühle hinaus stellen und festlich in der Sonne tafeln.
Das war auch die Zeit der Olivenernte. Mit Olivo und Esel ging es in die Terrassen, mit Stöcken und Netzen, mühsame Arbeit. Viele hundert Kilo Oliven, mit Schaufel und Gitter Frucht und Blätter trennen, schnell schnell in die Ölmühle damit. Gnädig verkaufte Olivo von den selbstgeernteten Oliven. Eine Beladung für das frontoio sind 12 „Maße“, das ist ca. 150 Kilo. In Säcken, und die verlieren schon unter dem eigenen Gewicht kostbares Öl. Am Ende sind das dann vielleicht 35 kg Öl, die „sansa“ (das was übrig bleibt), dient zu heizen. Der Pkw für den Transport roch noch monatelang nach Oliven …

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Comeback an der Riviera

1. Januar 2008 von sommerfrische

Schroffe Küsten, liebliche Fischerdörfchen und mittelalterliche Bergorte: Ligurien wurde lange von Touristen vernachlässigt. Nun entdecken vor allem Kultur- und Ruhesuchende den schmalen Küstenstreifen zwischen San Remo und dem Cinque Terre für sich.

Hinter San Remo geht die Sonne langsam unter …

So schreibt Silja Schriever im Spiegel (24. September 2007): Comeback an der Riviera

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